Theater-AG führte „Die Welle“ auf

Nachdem die Theater-AG im vergangenen Jahr mit Krabat einen Märchenstoff auf die Bühne brachte, ging es im Juni 2026 mit der Welle um die Realität der Gegenwart, und da die meisten Szenen in Schulräumen stattfinden, sogar um Situationen, die man sich kaum näher an der Lebenswelt der AG-Schülerinnen und -Schüler des 8.-11. Jahrgangs vorstellen kann. Aber die auf dem Experiment eines amerikanischen Geschichtslehrers beruhende Romanvorlage (Morton Rhue, 1981) bzw. die auf ihm beruhenden deutschen dramatische Fassungen mussten von Ole Dyck und Felicitas Heil erst einmal auf das IGS-Ensemble zugeschnitten, neu getextet, mit projizierten Social-Media-Posts (Klasse 12.4) und schließlich mit Songs, dargeboten vom Chor des 12. Jahrgangs (Ltg.: Johanna Reh & Marcus Altmann), kombiniert werden – was in beeindruckender Weise gelungen ist (hier Eindrücke in unserer Fotogalerie – Dank an Claudio Calderón!).

In insgesamt vier Aufführungen konnte das Publikum erleben, wie Lehrerin Berit Rosenberg (Tintje M.) den Versuch unternimmt, per Manipulation ihrer Klasse Totalitäres begreifbar zu machen, und schließlich nur noch mit Mühe in der Lage ist, die Lawine zu stoppen, die sie auslöst. Umgekehrt konnte man erleben, wie attraktiv diese „Welle“ für viele erscheint, insbesondere für die vorher Gemobbten oder nur am Rande der Gruppe Befindlichen, die fast zu Anführern werden und für die am Ende des Experiments eine Welt zusammenbricht, vor allem für Robert (Nele S.). Und bevor die eigentlich recht kluge Klassenbeste und Blog-Schreiberin Caro (Sophie M.) wirklich kritisch-aktiv auf die eskalierende Situation reagiert, vergeht geraume Zeit. Beherzter ist da Schuljournalist Alex aus der Parallelklasse (Noel B.N.), der sich mit seinem Mikrofon unerschrocken in gefährliche Situationen begibt und von Welle-Aktivisten verprügelt wird.

An der „Welle“ beteiligen sich neben den bereits Genannten zunächst mehr oder weniger begeistert alle anderen Schüler*innen, seien sie cool, blond, Clown, Hockey-Ass, Kunst-Crack oder was auch immer (Benjamin: Arik E., Tim: Benu B., Anna: Frida G., David: Awa B., Marie: Freya B., Merle: Nele M., Tatjana: Sabila I., Charly: Andrij K.). Eher außerhalb des Geschehens steht die sich liebevoll sorgende Partnerin von Berit, Ellen (Delila S.); sie beobachtet die sich eskalierende Entwicklung kritisch. Einen Seitenhieb gibt’s auch, nämlich Richtung institutionell Verantwortliche, denn wie die Schulleiterin, Frau Freimann (Rosa P.), die Geschehnisse kommentiert und zu instrumentalisieren versucht, lässt nicht nur tieferes Verständnis vermissen, sondern zeigt einen ignoranten Tunnelblick: Einzig die Außenwahrnehmung der Schule zählt!

Der Chor (souveräne Solistinnen: Joan L. und Nele Sm.) steuert zunächst mit „Can’t Stop“ ein Stück bei, dass die Kraft der „Welle“ verdeutlicht. Und in der Schluss-Szene sind praktisch alle Anwesenden Akteure, denn in der großen Versammlung in der Aula – wg. der angeblich geplanten Ansprache des „Ehrengastes“ – löst Berit schließlich die Anspannung auf, die Schüler*innen erkennen zerknirscht, dass sie einer Nazi-Ideologie gefolgt waren, nur einer, Robert, ist und bleibt verzweifelt, weil das zerbrochen ist, was ihn aufgerichtet und wichtig gemacht hatte. Seine Frustration und innere Leere besingt der Chor ergreifend mit „Creep“ und abschließend mit „Mad World“.

Großer Beifall für die engagierten und überzeugenden Ensembles der Schauspieler*innen und Sänger*innen!

Dank geht an Frau Bölke für die Herstellung eines beeindruckenden Banners, an Amelie Hetzer und ihren Textilkurs, die unzählige Schärpen angefertigt haben, an Kai Piepho für die Bereitstellung von Hockey-Utensilien – und (wie jedes Jahr) an unseren Kooperationspartner, das Kulturzentrum Faust, der den Raum, die Warenannahme, nicht nur für die Aufführungen, sondern das Schuljahr über auch für die Proben zur Verfügung gestellt sowie die Technik organisiert hat.

(M.A.)