Abschluss des Musicalprojekts “Franz von A – die Wandlung” der IGS Linden und des Musiktheater Konrad
Als sich im Januar 2026 eine große Runde aus Jugendlichen, künstlerischer Leitung, Lehrkraft und Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern in einem hannoverschen italienischen Restaurant zusammensetzte, war sofort spürbar: Dies war wohl deutlich mehr als ein gemütlicher Abschlussabend. Auf einem übergroßen Fernseher lief die Aufzeichnung des umjubelten Auftritts auf Sylt, es wurde gelacht, gesungen, erinnert – und immer wieder leise genickt. Mit diesem Abend fand ein Projekt seinen Abschluss, das bereits im Herbst 2024 begonnen hatte und über mehr als ein Jahr hinweg Schule, Kunst und professionelles Musiktheater auf außergewöhnliche Weise miteinander verbunden hat.

Das Musicalprojekt der IGS Linden in Zusammenarbeit mit dem Musiktheater Konrad ist kein kurzfristiges Vorhaben und keine beiläufige Arbeitsgemeinschaft. Es ist ein langfristig angelegtes künstlerisch-pädagogisches Projekt, das Jugendlichen zutraut, große Themen zu tragen und Verantwortung für ein gemeinsames Werk zu übernehmen. Beteiligt waren Schülerinnen und Schüler vom sechsten bis zum zwölften Jahrgang, die über Alters- und Jahrgangsgrenzen hinweg gemeinsam arbeiteten. Von Beginn an stand nicht das schnelle Ergebnis im Vordergrund, sondern der Weg: das gemeinsame Proben, das Wachsen an Aufgaben, das Erleben von Verbindlichkeit, Disziplin und Teamgeist.
Im Zentrum stand das Musical „Franz von A. – Die Wandlung“, geschrieben und komponiert von Konrad Haas. Der Stoff greift Motive aus dem Leben des Franz von Assisi auf, übersetzt sie jedoch konsequent in die Gegenwart. Franz erscheint nicht als entrückte Heiligenfigur, sondern als junger Mensch von heute, der mit Erwartungen, Konflikten und Sinnfragen ringt. Das Stück verhandelt Themen wie Besitz und Verzicht, Verantwortung für Mitmenschen, Tiere und Umwelt sowie die Frage nach einem erfüllten Leben und tut dies mit Leichtigkeit, Humor und überraschenden Bildern. Poetische Szenen, temporeiche Dialoge und musikalische Vielfalt greifen ineinander und machen den Stoff für Jugendliche wie Publikum gleichermaßen zugänglich.
Ein zentrales Prinzip dieses Projekts wurde konsequent umgesetzt. Auf der Bühne stehen ausschließlich Jugendliche, während außerhalb der Bühne professionelle Theaterleute arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler tragen das Musical vollständig selbst im Schauspiel, im Gesang, in Bewegung und Präsenz. Begleitet werden sie dabei von einem professionellen Team aus künstlerischer Leitung und Regie, musikalischer Leitung und Live-Band, Bühnenbild, Licht- und Tontechnik, Kostüm- und Maskenarbeit sowie Produktions- und Ablaufkoordination. Diese klare Arbeitsteilung ermöglicht es den Jugendlichen, unter realistischen Theaterbedingungen zu arbeiten und ernsthaft Teil eines professionellen Produktionsprozesses zu sein.
Dass ein solches Projekt überhaupt möglich ist, ist kein Zufall und ganz sicher keine „Nebenbei-Leistung“. Neben dem hohen persönlichen Einsatz

vieler Beteiligter braucht es verlässliche Förderstrukturen. In besonderer Weise ist hier die Gundlach Stiftung zu nennen, die das Musiktheater Konrad seit seiner Gründung langfristig grundfinanziert und damit ein Fundament schafft, auf dem Kooperationen wie die mit der IGS Linden erst tragfähig werden. Ergänzend kamen weitere Förderer hinzu.
Was diese Förderung bewirkt, lässt sich nicht nur am Applaus messen, sondern auch an den pädagogischen Effekten. Kinder und Jugendliche lernen in der Übungsphase hartes Arbeiten und Disziplin, stärken Bewegungs- und Gesangfähigkeit, gewinnen Selbstwertgefühl, verbessern ihren Auftritt und ihr Sprachverhalten und erleben Integration in einer Gemeinschaft, die Vielfalt nicht als Problem, sondern als Stärke versteht. Genau diese Verbindung aus künstlerischem Anspruch und sozialer Wirkung ist der Kern dessen, was die Kooperation zwischen IGS Linden und Musiktheater Konrad so besonders macht.
Neben den regelmäßigen Proben während des Schuljahres gab es mehrere intensive Arbeitsphasen, die das Ensemble besonders zusammenschweißten. Eine Probewoche im Naturfreundehaus in Lauenstein stellte einen wichtigen Meilenstein dar. Abseits des Schulalltags wurde hier konzentriert gearbeitet, zugleich aber auch Gemeinschaft erlebt mit Frühsport, langen Probentagen, Lagerfeuerabenden, Party, Spielen und Gesprächen. Eine weitere intensive Probenwoche schloss sich unmittelbar vor den Aufführungen an und diente dazu, Szenen, Übergänge, Musik und Technik präzise zusammenzuführen.
Der öffentliche Höhepunkt folgte im Juni 2025 mit acht Aufführungen im KlecksTheater beziehungsweise im KinderTheaterHaus Altes Magazin in Hannover. An Wochenenden und bei Schulvorstellungen füllte sich der Zuschauerraum mit Familien, Schülerinnen und Schülern und Theaterinteressierten. Die Resonanz war überwältigend. Konzentrierte Stille, Lachen an den richtigen Stellen, begeisterter Applaus und am Ende stehende Ovationen. Spätestens hier wurde deutlich, dass es sich um weit mehr als ein schulisches Bühnenprojekt handelte.

Ein wichtiger, sehr öffentlicher Zwischenschritt war bereits der Auftritt beim Kirchentag in Hannover am 3. Mai 2025. Im Ballhof 2 der hannoverschen Staatstheater zeigte das Ensemble Szenen als öffentliche Probe. Anschließend wurde in einer Gesprächsrunde gemeinsam mit einem Franziskanerpater, den jugendlichen Darstellerinnen und Darstellern sowie dem Autor und Komponisten darüber gesprochen, warum Franz von Assisi und die Fragen nach Sinn, Konsumverzicht, Umwelt- und Tierschutz heute wieder so aktuell wirken.
Ein besonderer Höhepunkt war die Gastspielfahrt nach Sylt vom 25. bis 29. November 2025. Im historischen alten Kursaal des Rathauses präsentierte das Ensemble das Musical vor neuem Publikum. Die Aufführung wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und bestätigte eindrucksvoll die Qualität der Arbeit. Für viele der Jugendlichen war es die erste Reise mit einem eigenen Bühnenprogramm, ein Erlebnis, das lange nachwirken wird.
Auch nach der letzten Bühnenaufführung setzte sich das Projekt fort. Im Winter 2025 wurde im Apollo Kino Hannover Linden der professionell geschnittene Film gezeigt, der die Aufführungen dokumentiert. Auf der großen Leinwand erlebten Ensemble und Publikum das Musical noch einmal aus einer neuen Perspektive, ein emotionaler Abend voller Stolz, Dankbarkeit und gemeinsamer Erinnerung vor vollem Haus.

Zu einem ehrlichen Rückblick gehört auch der Blick auf die Herausforderungen, die hinter einem solchen Erfolg stecken. Kulturarbeit mit Jugendlichen ist kein Masterplan, der einfach abgearbeitet wird. Sie ist komplex, wenig standardisierbar und hängt an Tagesform, Lebensrealität und manchmal auch an ganz praktischen Unwägbarkeiten. Dass das Ensemble dennoch zuverlässig liefert, ist Ergebnis einer Arbeitsweise, die Fantasie und Disziplin in Balance bringt und zugleich mit Wechseln, Ausfällen und spontanen Umstellungen umgehen kann. So wurde während der Aufführungsreihe klar, dass mehrere Rollen kurzfristig übernommen werden mussten, als Mitwirkende im ausfiele. Gerade in solchen Momenten zeigt sich, wie sehr das Projekt auf Verantwortung, gegenseitige Unterstützung und einen professionellen Rahmen angewiesen ist.
Der endgültige Schlusspunkt wurde schließlich im Januar 2026 gesetzt. Bei einem gemeinsamen Treffen in einem italienischen Restaurant in Hannover kamen alle Beteiligten noch einmal zusammen. In entspannter Atmosphäre wurde die Aufzeichnung des Sylt Auftritts gezeigt. Ohne Bühne, ohne Scheinwerferlicht, aber mit viel Lachen, leisen Kommentaren und dem gemeinsamen Bewusstsein, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein, fand dieses außergewöhnliche Projekt seinen Abschluss.
Was bleibt, ist weit mehr als die Erinnerung an gelungene Aufführungen. Dieses Musicalprojekt hat Jugendlichen ermöglicht, sich auszuprobieren, über sich hinauszuwachsen und in einem professionellen künstlerischen Rahmen Verantwortung zu übernehmen. Es hat gezeigt, was entstehen kann, wenn Schule Kunst ernst nimmt, jungen Menschen Vertrauen schenkt und wenn Förderer wie die Gundlach Stiftung und weitere projektbezogene Stiftungen kulturelle Bildung dauerhaft mittragen. Ein Projekt mit Zeit, Tiefe und Herz begonnen im Herbst 2024, vollendet im Januar 2026 und mit einer Wirkung, die weit darüber hinausreicht. Das neue Projekt Die Tochter der Zauberin nach Paul Maar ist schon in Vorbereitung und hat im Juni 2026 Premiere. Und auch für das kommende Schuljahr beginnt bereits die Planung. Mowgli nach Rudyard Kipling wird im Sommer 2027 gegeben.