Integrierte Gesamtschule Hannover-Linden

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Start Sozialpädagogischer Bereich
Themenabende am Lindenberge
(Aktivierende Elternarbeit)

Ein Projekt der Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden zur besseren Integration, Partizipation und Einflussnahme von Eltern mit Migrationshintergrund in der Institution Schule

Die Ausgangslage

Allgemein ist der Kontakt zwischen vielen Migranteneltern und den Schulen häufig von gegenseitigen Vorwürfen geprägt:

  • Die Schulen beklagen die mangelnde Präsenz der Eltern in der Schule, aber auch allgemein in der Erziehung ihrer Kinder. Viele Kinder würden sich selbst überlassen, erhielten keine Unterstützung und Hilfe in schulischen Belangen, die Eltern seien unkooperativ und würden sich verweigern
  • Nicht wenige Eltern beklagen die Undurchsichtigkeit der Schulen, die mangelnden Kontaktmöglichkeiten zu den LehrerInnen, die Stigmatisierung ihrer Familien als Ausländerfamilien, die mangelnde Berücksichtigung ihrer kulturellen und/oder religiösen Lebensumstände usw.

Statt eine offene Diskussion und eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe zu führen, zogen sich in der Vergangenheit beide Seiten immer mehr in ihre jeweiligen Sichtweisen und Haltungen zurück und die Distanz zwischen Eltern und Schulen wurde zunehmend größer.

Ein Lösungsansatz

Diese Einflussnahme und die Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen kulturellen Haltungen und Sichtweisen ist jedoch an der IGS Linden ausdrücklich erwünscht.

Die Eltern können und sollen, über den persönlichen Kontakt zu einzelnen LehrerInnen hinaus, auch die Schule insgesamt mitgestalten und Einfluss auf inhaltliche wie auch auf äußere Rahmenbedingungen nehmen.

Dazu ist es jedoch notwendig, dass sie ihre Interessen formulieren, an den entsprechenden Stellen einbringen und ihre Elternrolle aktiv wahrnehmen.

Ein Weg zu einer diesbezüglichen Veränderung wäre möglicherweise eine aktivierende Elternarbeit. Auf diesen Überlegungen basiert das Modellprojekt „Eltern(themen)abende“, das von MigrantInnen für Migranteneltern an der IGS Hannover-Linden durchgeführt wurde.

Der Leitsatz für das Projekt Eltern(themen)abende lautet:

Wenn Menschen sich kulturell aufgehoben und in ihrer sprachlichen Kompetenz sicher fühlen, sind sie eher bereit sich zu äußern, mitzuwirken und auch Verantwortung zu übernehmen.

In vierwöchentlichem Rhythmus fanden in der Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden Eltern(themen)abende in insgesamt fünf kulturell homogenen Gruppen von Eltern mit Migrationshintergrund im eigenen Sprachkontext statt.

Über gezielte Informationen und durch initiierte Diskussionen, die sich auch mit unterschiedlichen Wertehaltungen auseinander setzten, sollte versucht werden, einer Sprachlosigkeit zwischen den Kulturen entgegen zu wirken. Es sollte gegenseitiges Unverständnis abgebaut und ein neuer Zugang zueinander geschaffen werden.

Die Brücke zwischen möglicherweise unterschiedlichen Werten, Erziehungszielen und Verhalten in den Herkunftskulturen der Eltern der SchülerInnen einerseits und der hiesigen Gesellschaft (für die die Schule steht) andererseits bildeten MigrantInnen, die einen Zugang zum hiesigen Wertesystem haben und integriert sind, ohne ihre Herkunftskultur aus dem Blick verloren zu haben.

image004Sie (Männer und Frauen verschiedener Ethnien) übernahmen die Durchführung von Elternabenden in insgesamt 5 kulturell homogenen Gruppen, die alle vier Wochen in der Schule stattfanden. Zuvor hatten sie an einem 20 Stunden umfassenden Vorbereitungskurs teilgenommen und dort eine umfassende Anleitung in den unterschiedlichsten Methoden zur Aktivierung von Gruppen, in Gesprächsführung und im methodisch-didaktischen Aufbau einer Themeneinheit erhalten. Sie gestalteten die Elternabende und reflektierten sie anschließend unter fachlicher Anleitung.

Die an der IGS Hannover-Linden im Rahmen des Modellprojektes angesprochenen Zielgruppen waren zunächst: TürkInnen, KurdInnen, PerserInnen/AfghanInnen, RussInnen und PolInnen.

Das Modellprojekt Elternthemenabende wurde nun erfolgreich abgeschlossen. Die Elternabende werden von Eltern der Schule fortgeführt und künftig selbst organisiert. Ziel ist, sie zu einer festen Institution der Schule werden zu lassen und auch weitere neben den bisher angesprochenen kulturellen Gruppen zu motivieren, an diesen Treffen teilzunehmen.

Die Eltern(themen)abende haben in die Schule hineingewirkt und alle am Projekt Beteiligten haben vielerlei interessante Erfahrungen gemacht, die festgehalten und ausgewertet wurden.

Hilfreiches zum Weiterarbeiten auch an anderen Schulen

Im Januar 2008 ist die CD-Rom zum Projekt erschienen. Hier wird für etwaige NachahmerInnen kleinschrittig und unter Berücksichtigung aller Erfahrungen, der Stolpersteine und auch der Türöffner, die sich während dieser Arbeit herauskristallisiert haben, das Projekt dokumentiert und aufbereitet.

Klicken Sie sich durch unser Projekt und unsere Erfahrungen !

image008Überall dort, wo Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund eine Schule besuchen, lässt sich dieser Ansatz der aktivierenden Elternarbeit durchführen. Wir bieten Ihnen gerne unsere Hilfe und Unterstützung an, wenn Sie die Eltern(themen)abende so oder ähnlich in Ihrer Schule implementieren möchten. Grundsätzlich, vor allem aber in größeren Systemen, in denen sich mehrere kulturell homogene Elterngruppen bilden könnten, empfehlen wir eine gemeinsame Einführung und Schulung aller leitenden Eltern bzw. externen TeamerInnen sowie gemeinsame Treffen zur Reflexion der Elternabende.

image005Die CD-Rom kann bestellt werden unter:
0511 / 168-41343 oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.